Was haben eine päpstliche Enzyklika, der Wiederaufbau Jerusalems und ein Peloton miteinander zu tun?

Beim Lesen von Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV. bin ich auf zwei Bilder gestoßen, die mich unmittelbar an moderne Organisationen erinnert haben: den Turmbau zu Babel und den Wiederaufbau der Jerusalemer Stadtmauer unter Nehemia. Im Skript nutze ich diese beiden Bilder als unterschiedliche Organisationslogiken: auf der einen Seite Einheitlichkeit, Zentralisierung und Kontrolle, auf der anderen verteilte Verantwortung innerhalb eines gemeinsamen Ziels.

Gerade Nehemias Mauer finde ich als Führungsbild interessant. Unterschiedliche Gruppen übernehmen unterschiedliche Abschnitte. Niemand baut die gesamte Mauer – aber alle bauen dieselbe Stadt. Verantwortung wird dort übernommen, wo Menschen konkret handeln können. Das führt unmittelbar zum Prinzip der Subsidiarität: Nicht jede Entscheidung muss nach oben und nicht jede Aufgabe braucht zentrale Steuerung.

Und plötzlich sind wir im Peloton.

Auch dort macht nicht jeder dasselbe. Der eine fährt im Wind, ein anderer schützt den Kapitän, ein Helfer holt Flaschen. Entscheidend sind eine gemeinsame Richtung, klare Rollen und die Fähigkeit, innerhalb von Leitplanken selbstständig zu handeln.

Mit künstlicher Intelligenz bekommt diese Frage zusätzliche Bedeutung. KI kann Daten analysieren, Entscheidungen vorbereiten, Wissen zugänglich machen – aber auch Kontrolle und Zentralisierung verstärken. Deshalb lautet für mich die entscheidende Frage nicht nur: Was können wir mit KI tun? Sondern: Welche Führungslogik verstärken wir damit?

Dahinter steckt eine noch grundsätzlichere Frage: Welches Menschenbild liegt unserer Führung zugrunde? Trauen wir Menschen zu, Verantwortung zu übernehmen? Oder bauen wir Systeme, die versuchen, ihr Verhalten möglichst vollständig vorherzusagen und zu kontrollieren?

Vielleicht besteht moderne Führung deshalb weniger darin, Menschen immer präziser zu steuern. Sondern darin, Verantwortung zu organisieren: Orientierung zu geben, Leitplanken zu schaffen und Menschen ihren eigenen „Mauerabschnitt“ wirklich zu überlassen.

Die gesamte Enzyklika kann man hier lesen: Enzyklika von Papst Leo XIV. „Magnifica Humanitas“ (15. Mai 2026)

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Das Peloton Prinzip ist der Podcast für moderne Führung in unsicheren Zeiten. Er überträgt Erkenntnisse aus dem Radsport in die Welt von Management und Organisationen.

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