Was passiert, wenn Rollen unklar sind – und wie Führung Verantwortung sauber ordnet
Abstimmungen, die ewig dauern. Entscheidungen, die im nächsten Meeting wieder aufgemacht werden. Teams, die viel diskutieren – aber wenig abschließen. Das fühlt sich oft wie ein Kommunikationsproblem an. Meistens ist es keins.
Es ist ein Ordnungsproblem. Niemand weiß wirklich, wer das Steuer in der Hand hat.
Das Problem ist selten fehlende Führung. Es ist zu viel Führung – aber ohne Ordnung.
Was das Peloton lehrt
Im Profiradsport ist die Kapitänsrolle eindeutig. Nicht weil die anderen Fahrer unfähig wären – viele Helfer hätten die Klasse, selbst Kapitän zu sein. Aber eben nicht gleichzeitig, und nicht für dieselbe Situation.
Stell dir vor, mitten in einer schweren Bergetappe würden drei Fahrer gleichzeitig verschiedene Ansagen machen. Das Ergebnis wäre Chaos – nicht mehr Leistung, sondern weniger. Deshalb gilt: Für diese Etappe, für diese Situation, gibt es genau einen Kapitän. Alle anderen unterstützen. Das ist keine Hierarchie. Das ist Strategie.
Mehr Kommunikation löst kein Rollenproblem
Die typische Reaktion auf Abstimmungsprobleme: ausführlichere Protokolle, mehr Meetings, mehr Menschen im Verteiler. Die Kommunikation wird mehr – das Problem bleibt. Denn die Menschen wissen oft sehr genau, was zu tun wäre. Was fehlt, ist Klarheit darüber, wer das Recht hat zu entscheiden.
Rollenklarheit bedeutet, drei Fragen zu beantworten: Wer entscheidet? Wer setzt um? Wer unterstützt – ohne Entscheidungshoheit zu beanspruchen? Das klingt einfach. In der Praxis sind diese Fragen oft nicht beantwortet.
Klare Rollen machen Erwartungen sichtbar. Und sichtbare Erwartungen lassen sich besprechen – unsichtbare führen zwangsläufig zu Frustration.
Führungshebel der Woche
Denk an ein aktuelles Projekt, bei dem Entscheidungen zäher laufen als nötig. Frag dich: Wer ist hier faktisch Kapitän – auch wenn es nicht klar benannt ist? Wer sollte diese Rolle bezogen auf Kompetenz und Situation übernehmen? Und was müsste geklärt werden, damit alle das mittragen?
Ordne die Kapitänsrolle dann bewusst zu – nicht dauerhaft, aber verbindlich für diesen Kontext. Und sprich es aus. Explizit.
Nächste Etappe: Warum viele Organisationen zwar entscheiden – aber nicht wirklich wählen. Und was das mit Reaktionsfähigkeit zu tun hat.





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